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24.02.2017
Kooperationen

Beruflich durchstarten in Deutschland

Perspektiven für qualifizierte geflüchtete Frauen


PerMENTi - Gruppenbild

Foto: Gabriele Protze

"Wir sind beschenkt worden"

Große Resonanz zeigte die Veranstaltung „Beruflich durchstarten in Deutschland - Perspektiven für qualifizierte geflüchtete Frauen", zu der Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter nach Dortmund kam. Mehr als 150 Besucher und Besucherinnen wollten sich über das Projekt PerMenti informieren.

Beruflich durchstarten in Deutschland - Perspektiven für qualifizierte geflüchtete Frauen

Eigentlich dachten sie, sie würden etwas Gutes tun, etwas geben. Doch am Ende fühlten sie sich selbst beschenkt. So fasst Vânia de Souza-Kloppenburg, Leiterin Qualifizierung und Beratung bei der Continentale Versicherungsverbund a. G., ihre Erfahrung mit geflüchteten Frauen zusammen. Als Mentorin hat sie Alina Suprun begleitet, eine Betriebswirtin aus Weißrussland, die mit ihrem syrischen Mann aus Syrien geflohen ist und nun versucht, in Dortmund Fuß zu fassen.

Alina Suprun nimmt an dem Projekt „Betriebliches Mentoring für qualifizierte geflüchtete Frauen“ (PerMENTi) teil, das mittlerweile etwa 40 geflüchteten Frauen in Dortmund auf eine Berufstätigkeit, ein weiterführendes Studium oder eine Ausbildung vorbereitet.

Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Die größte Hürde für Alina Suprun und die anderen zum Teil hochqualifizierten Frauen ist die deutsche Sprache. Das bestätigt Michael Ifland von der IHK zu Dortmund. „Der Spracherwerb ist verbesserungswürdig. Denn Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Das Thema Integration von Flüchtlingen ist inzwischen durchaus in den Unternehmen vor Ort angekommen. 13 % der Betriebe haben schon Ausbildungsverträge und 10 % Festanstellungen mit geflüchteten Menschen abgeschlossen. Ifland bestätigt aber auch, dass bisherige Unterstützungsprogramme vor allem die männlichen Geflüchteten ansprechen.

Diese Erfahrung teilt auch Bärbel Wenzel, von der Grone Bildungszentren NRW gGmbH, eine der Initiatorinnen des Projektes „PerMenti“. Bei den ersten Integrationskursen gab es kaum Frauen, obwohl ein Drittel der Geflüchteten weiblich ist. Doch dann zeigte sich, dass die Frauen, die kamen oft hoch qualifiziert waren: Arztinnen, Apothekerinnen, Ingenieurinnen, Lehrerinnen oder Betriebswirtinnen. Also genau die Fachkräfte, die in Deutschland zunehmend gesucht werden.

Krankenhäuser sehen große Chance in geflüchteten Menschen

Daher hat Gabriele Koch von der Katholischen St. Johannesgesellschaft Dortmund schon früh ein Auge auf die Geflüchteten geworfen. Neben den Sprachkenntnissen sind es Hindernisse wie das frühzeitige Erfassen des Impfstatus, die den schnellen Einstieg ins deutsche Gesundheitswesen erschweren.

Ministerin Barbara Steffens wünscht sich mehr Projekte wie PerMenti

Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, sieht in Projekten wie PerMenti einen ersten Schritt und hofft, dass es einen Dominoeffekt im Land auslöst. „Wir brauchen die geflüchteten Frauen für die Gesellschaft und als Vorbilder.“, betont die Ministerin.

Bislang stehen vor allem die Männer im Focus und nur 28 % der Frauen nehmen an beruflichen Integrationsmaßnahmen in NRW teil. Die Gründe: Viele der Frauen müssen traumatische Erlebnisse im Ursprungsland und auf der Flucht verarbeiten. Kinderbetreuung ist ein weiteres Thema. Aber auch Trugbilder und Klischees über die geflüchteten Frauen stehen im Wege. „Veränderung muss auch in den Köpfen stattfinden.“ Es darf nicht sein, dass die syrische Ingenieurin als Reinigungskraft endet, weil niemand ihr Potential erkennt. Denn gerade in Syrien waren Frauen mit knapp 50 % auf allen Bildungsebenen vertreten.

Dass die berufliche Integration von geflüchteten Frauen ein wichtiges Thema ist, zeigte auch die hohe Resonanz der Veranstaltung „Beruflich durchstarten in Deutschland - Perspektiven für qualifizierte geflüchtete Frauen". Mehr als 150 Besucher und Besucherinnen folgten am 22. Februar 2017 der Einladung in den großen Saal der IHK zu Dortmund.

Veranstalter waren das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Westfälisches Ruhrgebiet in Kooperation mit der Grone Bildungszentren NRW gGmbH, der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, dem Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft e. V., dem Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund sowie Frau.Innovation.Wirtschaft von der Wirtschaftsförderung Dortmund.