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RN vom 20.5.2011 - Frauen wollen die Quote

Frauen wollen die Quote

Bei Diskussion in der IHK zeichnete sich klares Meinungsbild ab

Ein eher seltenes Bild bot sich Donnerstagabend in der Industrie-und Handelskammer:
220 Frauen und ein paar versprengte Männer — meist ist es umgekehrt — diskutieren über "Frauenquote in der Wirtschaft". Eine spontane Abstimmung zeigte: Geschätzte 95 % der Anwesenden votierten für die Quote per Gesetz.

Da stand IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz fast allein auf weiter Flur, denn er hatte in seinen Begrüßungsworten klar gemacht: Eine stärkere Präsenzvon Frauen in Führungspositionen liege nicht zuletzt angesichts des Fachkräftemangels im Interesse der Unternehmen. Doch „der Weg über eine starre Quote ist verfehlt.”
Da gab’s Kontra von Bürgermeisterin Birgit Jörder. Als jüngere Frau sei sie auch gegen die Quote gewesen, mittlerweile habe sie ihre Meinung geändett. "Ohne die Quote in meiner Partei hätte ich noch nicht einmal ein Ratsmandat erhalten", zeigte sich die SPD-Politikerin überzeugt.
Ebenfalls eine Verfechterin der Quote ist Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie warnt davor, die Diskussion lediglich auf die 3% der Großuntemehmen zu verkürzen, das Thema müsse breiter angelegt werden. „Wir können es uns nicht erlauben, sehr gut ausgebildete Frauen zu verlieren.” Die Frage, mit welcher Förderung „wir die Talente mitnehmen, ist essentiell wichtig”. Dass viele Länder da wesentlich weiter sind, belegte sie mit einer Studie von 2010. Beim Frauenanteil an Vorständen im internationalen Vergleich landet Deutschland mit Indien auf den beschämenden letzten Plätzen, Schweden, USA und Großbritannien bilden hingegen die Spitze. Rothe streute auch noch ein paar knackige Zitate von Ursula von der Leyen und Klaus Zimmermann ein.

"Der Kern der Debatte ist ja nicht ob die Frauen die Quote brauchen, sondern dass Deutschland die Frauen braucht.” Arbeitsministerin Ursula von der Leyen

"Jede Frau, die beruflich nicht in die Position kommt, für die sie qualifiziert ist kostet uns Wachstum.”
Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Keine Quote, aber immerhin das Ziel, mehr Frauen in gehobene Positionen zu bringen, verfolgt die Commerzbank. „48% der Privatkunden der Commerzbank sind weiblich. Wir wären schlecht beraten, Männer Produkte entwickeln zu lassen, die von Frauen gekauft werden sollen”, so Jutta Wolf, Abteilungsdirektorin Diversity Management.
Vom Commerzbank-Vorstand, noch eine reine Männertruppe, wurde das Projekt „Frauen in Führungspositionen” beschlossen. Bis 2015 soll ohne feste Quote der Frauenanteil in den Teppichetagen nach oben gehen. Ein ganzes Maßnahmenpaket soll dazu beitragen. Ein Mentoring-Programm, bei dem 50% der Mentees weiblich sind, Arbeitsverträge mit 10% Arbeitszeit sind möglich, damit Frauen — oder auch Männer — während der Elternzeit den Kontakt zum Unternehmen halten und etwa auch an Fortbildungen teilnehmen können. Eine Gleichstellungsrichtlinie besagt, dass Besprechungen nicht vor 9 Uhr und nicht nach 17 Uhr anberaumtwerden sollten, damit Eltern ihre Kindern etwa von der Kita abholen können.

Flexibilität wichtig
Später auf dem Podium sprach sich Dr. Monika Goldmann, Mitbegründerin des Dortmunder Forums Frau und Wirtschaft, das gemeinsam mit IHK und Commerzbank zu der Veranstaltung eingeladen hatte, klar für die Quote aus. „Bei freiwilligen Vereinbarungen passiert nix.” Die Quote müsse jedoch flexibel sein. Wenn ein Metallbetrieb einen Anteil von 10% Frauen habe, könne man nicht 40% Frauen in der Führung erwarten. An die mittelständische Wirtschaft in Dortmund appellierte sie, sich mehr Gedanken über Frauen in Führungspositionen zu machen.
Bettina.Kiwitt[at]ruhrnachrichten.de

Beispiel Norwegen
Über die Quotenregelung in Norwegen berichtete Prof. Morten Huse, Professor für Organisation und Management an der Norwegian School of Management BI (Wirtschaftsuniversität) und Präsident der Europäischen Managementakademie (EURAM). In dem skandinavischen Land beschloss der Wirtschaftsminister im Jahr 2003 die Quote per Gesetz, die bis 2008 umgesetzt werden musste. Sie besagt dass mindestens 40% der Verwaltungsratsmandate in Aktiengesellschaften von Frauen wahrgenommen werden. Bis zum Jahr 2007 passierte nicht viel, die Quote lag bei 7%, doch dann besetzten die Unternehmen plötzlich die Positionen mit Frauen wie vom Gesetz gefordert. Für endgültige Schlüsse sei es noch zu früh, so Huse, aber es gebe viele positive Signale. In den privatwirtschaftlichen Unternehmen habe sich in der Zwischenzeit nicht viel bewegt.