PerMenti in Zeiten von Corona - ein (Zwischen-)Bericht

PerMenti in Zeiten von Corona - ein (Zwischen-)Bericht

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freund*innen,

nun haben wir schon seit mehreren Wochen die Corona-Ausgangsbeschränkungen, aber langsam werden die Bedingungen wieder besser. Während Corona hat sich die Arbeit von PerMenti stark verändert. Wir möchten Ihnen heute einen kleinen Einblick in die neue Situation geben und zeigen, welche Schwerpunkte wir in diesen schwierigen Zeiten setzen und wie es nun weiter geht.

Die Krise stellt auch Neu-Migrantinnen und ihre Familien vor besondere Herausforderungen. Dazu gehören z.B. sehr beengte Wohnverhältnisse von großen Familien, Home Office während der Umschulung und quirlige Kinder mit vielen Hausaufgaben, so dass Homeschooling eine große Herausforderung ist.
Auch wenn die betrieblichen Kontakte in der Krise weitgehend ruhten, läuft die Arbeit von Per-Menti selbstverständlich weiter. Die meisten unserer Teilnehmerinnen suchen den Kontakt und sind in unserem Netzwerk sehr aktiv. Wir alle haben uns schnell auf virtuelle Meetings und E-Learning-Formen umgestellt. Parallel halten wir in Einzelgesprächen, in denen es vielfach auch um die Bewältigung der privaten Situationen geht, engen Kontakt zu vielen Frauen.

Virtuelle Meetings der Dialoggruppen

Unsere Dialoggruppentreffen finden seit Wochen regelmäßig als ZOOM-Konferenzen statt. Diskutiert werden berufsbezogene Themen wie die Unterbrechung von Praktika und Aufrechterhalten der Kommunikation zu den Praktikumsbegleiter*innen, sowie Anforderungen und Probleme im Home Office. Aber auch Alltagsprobleme spielen eine Rolle wie z.B. Beschäftigung der Kinder und Unterstützungsmöglichkeiten bei den Schulaufgaben. Viele Frauen formulierten als ihre größte Sorge, dass sich ihre Deutschkenntnisse aufgrund der mangelnden Gelegenheit zum Deutsch sprechen, schnell wieder verschlechtern.

Ausweitung der Sprachtrainings

Zur Unterstützung während der Ausgangsbeschränkungen wurde das PerMenti-Angebot von Sprachtrainings stark erweitert. Mittlerweile erhalten 36 Frauen zweimal pro Woche Power-Point-Präsentationen mit Arbeitsblättern, sowohl zur Auffrischung von Grammatikkenntnissen als auch mit interessanten Alltagsthemen. Viele von ihnen bearbeiten die Aufgaben aktiv und melden sich mit Fragen telefonisch bei der Dozentin. Darüber hinaus haben wir einen eigenen Word und Excelkurs für Geflüchtete aufgelegt.

Sprach- und Hausaufgaben-Pat*innen

Für mehrere Frauen konnten wir ehrenamtliche Sprachpaten und -patinnen finden, mit denen
die Frauen ein- bis zweimal wöchentlich persönliche Gespräche in virtuellen Meetings führen.
Daneben haben sich kleine Gruppen gebildet, die ihre Sprachkenntnisse mit verschiedenen Methoden
selbstständig verbessern. Z.B. sehen sie Sequenzen von Fernsehserien mit deutschen Untertiteln und tauschen sich intensiv über Begriffe und den Einsatz von Formulierungen im Kontext aus. Auch sie treffen sich zusätzlich in ZOOM-Konferenzen mit einer Sprachpatin, um spezifische, vorbereitete Themen zu diskutieren. Für manche Familien ist die Anforderung, mit den Kindern die von den Schulen übermittelten Hausaufgaben zu bearbeiten, sehr schwierig. Hier entlasten u.a. einige Studenten und Schülerinnen die Eltern, indem sie die Kinder ehrenamtlich als Hausaufgabenpat*innen unterstützen.

Wir alle im PerMenti-Projekt machen ständig neue Erfahrungen und lernen viel dazu. Durch unsere
vielen Telefonate und Videokonferenzen haben wir mit den meisten Teilnehmerinnen
mehr Kontakte als vor den Kontaktbeschränkungen. Es gibt konzentrierte Diskussionen, eine
stärkere Fokussierung auf spezifische Themen in den Dialoggruppen und Eigeninitiative vieler
Teilnehmerinnen. Bemerkenswert finden wir, dass virtuelle Kontakte nicht nur, wie wir zunächst
annahmen, mehr Distanz schaffen, sondern dass sich im Gegenteil, viele Beziehungen und auch
das Vertrauensverhältnis zwischen Teilnehmerinnen und Mitgliedern der Projektgruppe in den
letzten Wochen vertieft haben.

Erfahrungen nutzen für die zukünftige Arbeit

Wir sehen in diesen neuen Arbeitsformen nicht zuletzt auch eine Chance für die Zukunft. Gerade
auch die virtuelle Kommunikation bietet viele Möglichkeiten, neue Strategien für den regelmäßigen
Austausch und für Blended-Learning auszubauen und zu nutzen. Da viele Familien eine relativ schlechte technische Ausstattung haben, oder die Frauen sich einen
Computer mit allen Personen im Haushalt teilen müssen, haben wir aus PerMenti-Spendenmitteln
gerade 20 Laptops angeschafft, die den Frauen leihweise zur Verfügung gestellt werden.
Insgesamt wird in den letzten Wochen noch einmal besonders deutlich, dass Kontakte der
Teilnehmerinnen zu deutschsprachigen Personen fast ausschließlich oder überwiegend durch
die Aktivitäten des PerMenti-Projektes bestehen. Deshalb wollen wir die – auch private – Vernetzung
unserer Teilnehmerinnen mit Einheimischen in Zukunft noch stärker unterstützen.
Nun fängt auch die Face-to-Face-Beratung wieder an. Nachdem Grone einen Hygieneplan umgesetzt
hat, der auch viel Abstand in den Seminarräumen bedeutet, können die PerMenti-Mitarbeitenden
wieder Teilnehmerinnen empfangen. So haben wir beschlossen, dass die Coachings,
wenn die Frauen dazu bereit sind, persönlich stattfinden, die Dialoggruppentreffen, die Computer-
und Sprachtrainings aber noch virtuell. Auch hoffen wir, dass vor Corona avisierte Praktika
nun bald stattfinden können, genauso wie speziell benötigte Weiterbildungen zum beruflichen
Einstieg.

Wie Sie vielleicht wissen, gibt es inzwischen drei PerMenti Projekte: zum einem PerMenti Dortmund
und PerMenti Essen, beide gefördert von der RAG Stiftung, außerdem vom Ministerium
gefördert: PerMenti Transfer, indem die Erfahrungen von PerMenti in andere Orte transportieren
werden sollen.

Wir freuen uns auch über Nachrichten von Ihnen, über Erfahrungen aus dieser bizarren Zeit.
Kommen Sie weiter gut durch die schwierige Zeit und bleiben Sie gesund!

Weitere Details lt. Bericht 2019

Kontakt

Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft e. V

Evinger Platz 17
44339 Dortmund 

Fon: +49 176 – 64 04 38 34
E-Mail: info©dffw.de

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PerMenti in Zeiten von Corona - ein (Zwischen-)Bericht

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freund*innen,

nun haben wir schon seit mehreren Wochen die Corona-Ausgangsbeschränkungen, aber langsam werden die Bedingungen wieder besser. Während Corona hat sich die Arbeit von PerMenti stark verändert. Wir möchten Ihnen heute einen kleinen Einblick in die neue Situation geben und zeigen, welche Schwerpunkte wir in diesen schwierigen Zeiten setzen und wie es nun weiter geht.

Die Krise stellt auch Neu-Migrantinnen und ihre Familien vor besondere Herausforderungen. Dazu gehören z.B. sehr beengte Wohnverhältnisse von großen Familien, Home Office während der Umschulung und quirlige Kinder mit vielen Hausaufgaben, so dass Homeschooling eine große Herausforderung ist.
Auch wenn die betrieblichen Kontakte in der Krise weitgehend ruhten, läuft die Arbeit von Per-Menti selbstverständlich weiter. Die meisten unserer Teilnehmerinnen suchen den Kontakt und sind in unserem Netzwerk sehr aktiv. Wir alle haben uns schnell auf virtuelle Meetings und E-Learning-Formen umgestellt. Parallel halten wir in Einzelgesprächen, in denen es vielfach auch um die Bewältigung der privaten Situationen geht, engen Kontakt zu vielen Frauen.

Virtuelle Meetings der Dialoggruppen

Unsere Dialoggruppentreffen finden seit Wochen regelmäßig als ZOOM-Konferenzen statt. Diskutiert werden berufsbezogene Themen wie die Unterbrechung von Praktika und Aufrechterhalten der Kommunikation zu den Praktikumsbegleiter*innen, sowie Anforderungen und Probleme im Home Office. Aber auch Alltagsprobleme spielen eine Rolle wie z.B. Beschäftigung der Kinder und Unterstützungsmöglichkeiten bei den Schulaufgaben. Viele Frauen formulierten als ihre größte Sorge, dass sich ihre Deutschkenntnisse aufgrund der mangelnden Gelegenheit zum Deutsch sprechen, schnell wieder verschlechtern.

Ausweitung der Sprachtrainings

Zur Unterstützung während der Ausgangsbeschränkungen wurde das PerMenti-Angebot von Sprachtrainings stark erweitert. Mittlerweile erhalten 36 Frauen zweimal pro Woche Power-Point-Präsentationen mit Arbeitsblättern, sowohl zur Auffrischung von Grammatikkenntnissen als auch mit interessanten Alltagsthemen. Viele von ihnen bearbeiten die Aufgaben aktiv und melden sich mit Fragen telefonisch bei der Dozentin. Darüber hinaus haben wir einen eigenen Word und Excelkurs für Geflüchtete aufgelegt.

Sprach- und Hausaufgaben-Pat*innen

Für mehrere Frauen konnten wir ehrenamtliche Sprachpaten und -patinnen finden, mit denen
die Frauen ein- bis zweimal wöchentlich persönliche Gespräche in virtuellen Meetings führen.
Daneben haben sich kleine Gruppen gebildet, die ihre Sprachkenntnisse mit verschiedenen Methoden
selbstständig verbessern. Z.B. sehen sie Sequenzen von Fernsehserien mit deutschen Untertiteln und tauschen sich intensiv über Begriffe und den Einsatz von Formulierungen im Kontext aus. Auch sie treffen sich zusätzlich in ZOOM-Konferenzen mit einer Sprachpatin, um spezifische, vorbereitete Themen zu diskutieren. Für manche Familien ist die Anforderung, mit den Kindern die von den Schulen übermittelten Hausaufgaben zu bearbeiten, sehr schwierig. Hier entlasten u.a. einige Studenten und Schülerinnen die Eltern, indem sie die Kinder ehrenamtlich als Hausaufgabenpat*innen unterstützen.

Wir alle im PerMenti-Projekt machen ständig neue Erfahrungen und lernen viel dazu. Durch unsere
vielen Telefonate und Videokonferenzen haben wir mit den meisten Teilnehmerinnen
mehr Kontakte als vor den Kontaktbeschränkungen. Es gibt konzentrierte Diskussionen, eine
stärkere Fokussierung auf spezifische Themen in den Dialoggruppen und Eigeninitiative vieler
Teilnehmerinnen. Bemerkenswert finden wir, dass virtuelle Kontakte nicht nur, wie wir zunächst
annahmen, mehr Distanz schaffen, sondern dass sich im Gegenteil, viele Beziehungen und auch
das Vertrauensverhältnis zwischen Teilnehmerinnen und Mitgliedern der Projektgruppe in den
letzten Wochen vertieft haben.

Erfahrungen nutzen für die zukünftige Arbeit

Wir sehen in diesen neuen Arbeitsformen nicht zuletzt auch eine Chance für die Zukunft. Gerade
auch die virtuelle Kommunikation bietet viele Möglichkeiten, neue Strategien für den regelmäßigen
Austausch und für Blended-Learning auszubauen und zu nutzen. Da viele Familien eine relativ schlechte technische Ausstattung haben, oder die Frauen sich einen
Computer mit allen Personen im Haushalt teilen müssen, haben wir aus PerMenti-Spendenmitteln
gerade 20 Laptops angeschafft, die den Frauen leihweise zur Verfügung gestellt werden.
Insgesamt wird in den letzten Wochen noch einmal besonders deutlich, dass Kontakte der
Teilnehmerinnen zu deutschsprachigen Personen fast ausschließlich oder überwiegend durch
die Aktivitäten des PerMenti-Projektes bestehen. Deshalb wollen wir die – auch private – Vernetzung
unserer Teilnehmerinnen mit Einheimischen in Zukunft noch stärker unterstützen.
Nun fängt auch die Face-to-Face-Beratung wieder an. Nachdem Grone einen Hygieneplan umgesetzt
hat, der auch viel Abstand in den Seminarräumen bedeutet, können die PerMenti-Mitarbeitenden
wieder Teilnehmerinnen empfangen. So haben wir beschlossen, dass die Coachings,
wenn die Frauen dazu bereit sind, persönlich stattfinden, die Dialoggruppentreffen, die Computer-
und Sprachtrainings aber noch virtuell. Auch hoffen wir, dass vor Corona avisierte Praktika
nun bald stattfinden können, genauso wie speziell benötigte Weiterbildungen zum beruflichen
Einstieg.

Wie Sie vielleicht wissen, gibt es inzwischen drei PerMenti Projekte: zum einem PerMenti Dortmund
und PerMenti Essen, beide gefördert von der RAG Stiftung, außerdem vom Ministerium
gefördert: PerMenti Transfer, indem die Erfahrungen von PerMenti in andere Orte transportieren
werden sollen.

Wir freuen uns auch über Nachrichten von Ihnen, über Erfahrungen aus dieser bizarren Zeit.
Kommen Sie weiter gut durch die schwierige Zeit und bleiben Sie gesund!

Weitere Details lt. Bericht 2019